Hin und wieder muss man ein Bild bzw. “Foto” vom Bildschirm machen, beispielsweise um einen besonders guten Spielstand in einem Spiel festzuhalten, ein Problem besser zu beschreiben, beim Schreiben von Anleitungen oder beim Dokumentieren von Abläufen. Bildschirmfotos (engl. Screenshots) sind generell immer nützlich wenn man anderen einen Einblick in das geben möchte, was man selbst gerade auf dem Bildschirm sieht.
In dieser Anleitung stelle ich 9 Programme zum Erstellen von Bildschirmfotos vor, darunter auch solche für Fotos von der Konsole (sowohl mit/ohne Framebuffer) als auch zum Fotografieren von kompletten Webseiten. Außerdem beschreibe ich, wie KDE/Gnome so konfiguriert werden können, das automatisch auf Tastendruck ein Bildschirmfoto erstellt und gespeichert wird.
Programme
Es gibt für Linux unzählige Programme zum Erstellen von Bildschirmfotos, die besten bzw. populärsten sind hier aufgelistet.
Umfangreich: Shutter
Shutter ist wohl das bei weitem umfangreichste Programm in dieser Liste. Mit Shutter lassen sich einzelne Fenster, Fenster-Bereiche, Bildschirme/Arbeitsflächen, aber auch ganze Webseiten aufnehmen. Mit dem Auswahl-Werkzeug lässt sich die Aufnahme aber auch auf einen ganz bestimmten Bereich beschränken. Praktischerweise werden die erstellten Bildschirmfotos in Sitzungen gruppiert und in einer Übersicht angezeigt. Shutter enthält auch noch diverse nützliche Erweiterungen, mit denen die Bilder noch weiter verändert werden können, beispielsweise gibt es eine Erweiterung die das Bild aussehen lässt, als wäre es ein Polaroid (mit Rahmen). Auch Wasserzeichen lassen sich auf diesem Weg einfach hinzufügen.
Erstellte Bildschirmfotos können direkt in Shutter weiterbearbeitet werden: Das Shutter DrawingTool bietet viele nützliche Werkzeuge zum Dokumentieren/Verändern des Bildschirmfotos, beispielsweise zum Erstellen von Pfeilen, Textfeldern, einer automatisch hochzählenden Bildnummerierung, zensieren von privaten Daten im Bildschirmfoto, uvm.
Shutter kann die Bilder auch direkt auf einen Imagehoster wie z.B. ImageBanana hochladen, in einem Verzeichnis abspeichern, oder per FTP auf einen Server hochladen. Sogar ein Export ins PDF-Format ist möglich. Für Gnome-Benutzer gibt es noch die Möglichkeit in den Einstellungen globale Tastenkombinationen fürs Erstellen von Bildschirmfotos festzulegen.
Für KDE-Benutzer: KSnapshot
Vom Funktionsumfang kommt KSnapshot zwar bei weitem nicht an Shutter ran, aber für die meisten Zwecke dürfte es völlig ausreichen. Es bietet folgende Aufnahmemodi: den gesamten Bildschirm, das Fenster unter dem Mauszeiger, eine Auswahl, einen Teil eines Fensters, und den aktuellen Bildschirm.
Gleich weiter bearbeiten: GIMP
Auch mit dem Bildbearbeitungsprogramm GIMP lassen sich Bildschirmfotos machen. Das hat den Vorteil, dass die Bilder gleich weiterbearbeitet werden können. Um mit GIMP ein Bildschirmfoto zu erstellen, klickt man auf Datei -> Erstellen -> Bildschirmfoto …
Auf der Kommandozeile: ImageMagick
Wenn die ImageMagick-Bibliothek installiert ist, können mit dem import-Kommando Bildschirmfotos erstellt werden.
import <Dateiname>
Es erscheint ein Fadenkreuz, und das zu fotografierende Fenster kann ausgewählt werden. Möchte man ein Bild vom gesamten Bildschirm erstellen, wird folgender Befehl verwendet:
import -window root <Dateiname>
Wenn import das Bild nicht sofort, sondern erst nach einer bestimmten Anzahl Sekunden erstellen soll, wird die -pause Option verwendet.
import -window root -pause <Sekunden> <Dateiname>
Außerdem kann die -geometry Option verwendet werden, um das Bildschirmfoto vor dem Abspeichern noch zu verkleinern (z.B. -geometry 800x600).
Eine Alternative: scrot
Scrot ist ebenfalls ein Kommandozeilen-Programm zum Erstellen von Bildschirmfotos. Eine besonders nützliche Funktion: Im Dateinamen können Platzhalter beispielsweise für das Datum/die Zeit, Bildmaße, o.Ä. verwendet werden, was bei der Erstellung von vielen Bildern, oder als Funktion einer Tastenkombination (Druck-Taste) sehr nützlich sein kann.
# Bildschirmfoto vom ganzen Bildschirm erstellen, und unter Foto.png abspeichern. scrot Foto.png # Bildschirmfoto eines Fensters erstellen (Fenster mit der Maus auswählen) scrot -s Foto.png # Mit Fensterrahmen (funktioniert unter Compiz nicht) scrot -s -b Foto.png # Bestimmte Anzahl an Sekunden warten, bevor das Bild erstellt wird scrot -d <Sekunden> Foto.png # Dabei in der Kommandozeile die Sekunden runterzählen scrot -d <Sekunden> -c Foto.png # Befehl auf die Datei anwenden scrot -e 'mv $f ~/Meine\ Bildschirmfotos/'
Scrot erkennt einige Platzhalter im Dateinamen bzw. im mittels -e mitgegebenem Befehl und ersetzt diese:
| Platzhalter | Ersetzung |
|---|---|
| $f | Dateiname/Pfad des Bildschirmfotos |
| $n | Dateiname (ohne Pfad) |
| $s | Dateigröße |
| \n | Zeilenumbruch |
| $p | Anzahl der Pixel |
| $w | Breite des Bildes |
| $h | Höhe des Bildes |
| $t | Bildformat |
| $$ | $-Zeichen |
| %Y | Jahr |
| %m | Monat |
| %d | Tag |
Weitere das Datum/die Zeit betreffende Platzhalter siehe Hilfeseite zu strftime (man 2 strftime) |
|
Konsole mit Framebuffer: fbgrab
(Mit Konsole sind hier die Konsolen gemeint, die per Alt+F1-6 erreichbar sind, nicht Konsolen die man in der grafischen Oberfläche öffnet.)
Wenn man den Framebuffer verwendet, kann man mit fbgrab ein Bildschirmfoto auf der Konsole machen.
fbgrab <Dateiname.png>
Es ist sogar möglich fbgrab eine bestimmte Anzahl Sekunden warten zu lassen, bevor es das Bildschirmfoto erstellt.
fbgrab -s <Sekunden> <Dateiname.png> &
Konsole ohne Framebuffer
In /dev/vcs (oder /dev/vcs0) ist der Inhalt der aktuellen Konsole gespeichert (die Konsole die über Alt+F1-6 erreichbar ist, nicht die Konsolen die man bekommt wenn man in der grafischen Oberfläche eine Konsole öffnet).
Der Inhalt dieser Konsole lässt sich mit cat auslesen, eventuell sind root-Rechte erforderlich. Mit dieser Methode lässt sich jedoch kein echtes Bildschirmfoto erstellen, schließlich bekommt man die Konsoleninhalte als Text, nicht als Bild.
cat /dev/vcs
Hier sind allerdings keine Zeilenumbrüche enthalten, die kann man aber mit fold hinzufügen. Dazu muss man allerdings wissen, wie breit die Konsole ist, das findet man mit folgendem Befehl (in der auszulesenden Konsole) heraus:
echo $COLUMNS
So liest man dann den Konsoleninhalt mit Zeilenumbrüchen aus:
fold -w <Ergebnis von echo $COLUMNS auf der auszulesenden Konsole> /dev/vcs # also z.B. fold -w 81 /dev/vcs
Die Notlösung: xwd
Wenn man keine Zeit hat ein Programm zu installieren, und keines der obigen installiert ist, kann man xwd ausprobieren. Dieses Kommandozeilen-Werkzeug wird direkt mit dem X-Server mitgeliefert, und sollte daher auf fast allen Systemen installiert sein. Das Programm hat allerdings Probleme mit Compiz/Emerald, wenn man Emerald als Fensterverwalter verwendet, wird anstelle der Festerrahmen das was darunter liegt aufgenommen.
# Fenster mit der Maus auswählen xwd -out Dateiname.xwd # Ganzen Bildschirm fotografieren xwd -root -out Dateiname.xwd
Bildschirmfoto einer Webseite
Das Programm gnome-web-photo kann Bildschirmfotos von kompletten Webseiten erstellen, auch die Erstellung von kleinen Vorschaubildern ist möglich.
# Komplette Seite gnome-web-photo URL Dateiname # Vorschaubilder gnome-web-photo -m thumbnail -s 256 URL Dateiname
Alternativ kann man auch die Firefox-Erweiterung Screengrab verwenden.
Tastenbelegung
Gnome
Unter System -> Einstellungen -> Tastenkombinationen können einzelnen Befehlen Tastenkombinationen zugewiesen werden. Meistens ist unter Gnome aber schon eine Tastenkombination für Bildschirmfotos vorkonfiguriert (Druck-Taste).
KDE
In den KDE-Einstellungen, lassen sich unter Input Actions globale Tastenkombinationen einstellen. Hier fügt man einfach einen neuen Eintrag (per Rechtsklick -> Neu -> Befehl/URL) hinzu, weist diesem eine Tastenkombination zu und schreibt den Befehl zur Erstellung eines Bildschirmfotos in das Eingabefeld Command/URL (beispielsweise: scrot ~/Bildschirmfoto-%d.%m.%Y-%H-%M-%S.png




Shutter sieht sehr gut aus – werde ich mir demnächst mal installieren
sehr schöner Beitrag. Weiter so.
Gruss
hi
nutze ja immer KSnapshot aber ich werde mir jetzt mal Shutter angucken und schauen ob ich damit besser klar komme vielen dank